StartAktuellMusikalische Bildung 2035 – jetzt die Weichen stellen!

Musikalische Bildung 2035 – jetzt die Weichen stellen!

Politische Forderungen der niedersächsischen Musikschulen

Musikalische Bildung ist öffentlicher Auftrag


Die öffentlichen Musikschulen in Niedersachsen sind
zentrale Orte kultureller Bildung, gesellschaftlicher Teilhabe
und demokratischer Praxis. Sie verbinden Breitenförderung
mit Talententwicklung, sichern den Nachwuchs
für Musikleben und Musikpädagogik und leisten
einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung junger
Menschen.


Musikalische Bildung ist kein freiwilliges Zusatzangebot,
sondern integraler Bestandteil öffentlicher Bildungsund
Kulturverantwortung. Diesen Auftrag erfüllen die
Musikschulen seit Jahrzehnten flächendeckend, qualitätsgesichert
und mit hoher gesellschaftlicher Wirkung
– trotz oftmals schwieriger Rahmenbedingungen. Gerade
im Flächenland Niedersachsen und insbesondere im
ländlichen Raum sind sie häufig die einzigen verlässlichen
Träger musikalischer Bildungsangebote. Ihre Strukturen
entscheiden dort unmittelbar darüber, ob Kinder
und Jugendliche Zugang zu kultureller Bildung erhalten.

Das System gerät unter Druck

Trotz ihrer Leistungen ist die aktuelle Lage kritisch. Die
Finanzierung der Musikschulen bleibt trotz steigender
Nachfrage seit Jahren strukturell unzureichend. Der Landesanteil
von derzeit 4,8 % der Gesamtkosten liegt deutlich
unter dem Bundesdurchschnitt von 12 % und reicht
nicht aus, um stabile und sozial gerechte Strukturen
dauerhaft zu sichern. Kommunen und Eltern tragen zusammen
rund 90 % der Aufwendungen.
Die Folgen sind bereits sichtbar: steigende Gebühren,
wachsende Belastungen der Kommunen und zunehmende
Zugangshürden für Familien. Besonders gravierend
sind diese Entwicklungen im ländlichen Raum. Dort
treffen steigende Kosten auf geringere finanzielle Spielräume
und größere Entfernungen – mit der Folge, dass
Angebote ausgedünnt werden oder ganz wegfallen.


Reformen umgesetzt –
Finanzierung nicht nachgezogen


Die Musikschulen haben in den vergangenen Jahren tiefgreifende
strukturelle Veränderungen umgesetzt. Mit
der konsequenten Umsetzung des Herrenberg-Urteils
wurden Beschäftigungsverhältnisse in großem Umfang
in sozialversicherungspflichtige Strukturen überführt.
Mittlerweile werden 95 % des Unterrichts von festangestellten
Lehrkräften erteilt.

Das war ein notwendiger und zukunftsweisender Schritt:
für mehr Rechtssicherheit, bessere Arbeitsbedingungen
und eine höhere Attraktivität des musikpädagogischen
Berufs. Gleichzeitig entstehen den Trägern dadurch
Mehrkosten in Millionenhöhe, die bislang nicht ausreichend
gegenfinanziert sind. Hier zeigt sich ein grundlegendes
Problem: Die Musikschulen haben die politisch
gewollten Veränderungen mit Unterstützung ihrer kommunalen
Träger umgesetzt. Das Land hat die daraus
entstehenden finanziellen Folgen bislang jedoch weder
ausreichend berücksichtigt noch mitgetragen.

Teilhabe sichern und Bildungsziele
ernst nehmen

Erfolgreiche Programme wie „Wir machen die Musik!“
zeigen, wie kulturelle Teilhabe frühzeitig, niedrigschwellig
und flächendeckend gestaltet werden kann. Ihre Finanzierung
ist jedoch nicht nachhaltig gesichert und
wird zunehmend auf Kommunen und Eltern verlagert.
Dieses Auseinanderfallen von politischem Anspruch und
tatsächlicher Finanzierung untergräbt die Glaubwürdigkeit
bildungspolitischer Ziele des Landes.

Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung steigt
der Bedarf an qualifizierten Bildungsangeboten weiter
an. Musikschulen sind hierfür ideale und politisch ausdrücklich
gewünschte Bildungspartner. Ohne zusätzliche
finanzielle Unterstützung droht sich die bestehende
Schieflage jedoch weiter zu verschärfen – mit direkten
Auswirkungen auf Qualität und Verlässlichkeit ganztägiger
Bildungsangebote. Qualitätsverluste oder ein Rückzug
aus Kooperationen wären die Folge.


Fachkräftemangel gefährdet die Zukunft
musikalischer Bildung


Die größte Herausforderung für die musikalische Bildung
liegt in der Sicherung qualifizierter Fachkräfte. Die Mikado-
Musik-Studie zeigt, dass in den kommenden Jahren
bundesweit rund 14.700 Musikschullehrkräfte aus dem
Beruf ausscheiden werden, während nur etwa 4.000 Absolventinnen
und Absolventen nachrücken.

Diese Entwicklung betrifft das gesamte Bundesgebiet,
ihre Auswirkungen werden jedoch in Niedersachsen besonders
deutlich spürbar sein. In ländlichen Regionen
verschärfen sich Fachkräfteengpässe schneller und
nachhaltiger als in urbanen Zentren. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen
droht ein flächendeckender Rückgang
der Angebote – mit unmittelbaren Folgen für Bildungsgerechtigkeit
und kulturelle Teilhabe.

Die Ursachen sind bekannt: begrenzte Ausbildungskapazitäten,
eine unzureichende strukturelle Verzahnung von
Ausbildung und Praxis sowie ein Berufsbild, dessen Attraktivität
unter den bestehenden Rahmenbedingungen
leidet. Zur Bewältigung des Fachkräftemangels braucht
es daher eine verbindliche und langfristig angelegte
Strategie.


Absehbare Entwicklungen

  • Rückgang verfügbarer Unterrichtsangebote
  • Wachsende Wartelisten und eingeschränkter
    Zugang
  • Steigende Belastung des vorhandenen Personals
  • Langfristiger Qualitätsverlust in der musikalischen
    Bildung

  • Erforderliche Maßnahmen
  • Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen
    und Vergütung
  • Aufwertung des künstlerisch-pädagogischen
    Berufsbildes
  • Ausbau musikpädagogischer Studienkapazitäten
  • Stärkung studienvorbereitender Angebote
    an Musikschulen
  • Engere strukturelle Kooperationen
    mit Musikhochschulen

  • Was jetzt notwendig ist
  • Die Musikschulen erfüllen ihren Bildungsauftrag
    – zunehmend jedoch unter Bedingungen, die
    ihre Leistungsfähigkeit gefährden. Gemeinsam
    mit ihren Trägern haben sie Strukturen angepasst,
    Qualität gesichert und ihre Rolle im Bildungssystem
    aktiv weiterentwickelt.
  • Um ihren Fortbestand zu sichern, sind politische
    Entscheidungen und koordiniertes Handeln auf
    allen Ebenen wichtiger denn je.
  • Der Landesverband niedersächsischer Musikschulen
    fordert das Land Niedersachsen auf, seiner
    Verantwortung für die musikalische Bildung jetzt
    verbindlich und nachhaltig gerecht zu werden:
  • Anhebung der Landesförderung auf mindestens
    den Bundesdurchschnitt zur Stabilisierung der bestehenden
    Strukturen
  • Verlässliche Beteiligung des Landes an den Mehrkosten
    aus dem Herrenberg-Urteil zur Vermeidung
    von Angebotsverlusten
  • Aufbau einer langfristigen Fachkräftestrategie, die
    Ausbildung, Berufseinstieg und Beschäftigungsbedingungen
    systematisch in den Blick nimmt
  • Dauerhafte Absicherung und Weiterentwicklung
    von Programmen kultureller Teilhabe
  • Realistische finanzielle Ausstattung des Ganztagsbereichs,
    die die Einbindung öffentlicher Musikschulen
    dauerhaft ermöglicht

  • Musikalische Bildung ist eine Investition in gesellschaftlichen
    Zusammenhalt, kulturelle Teilhabe und
    die Zukunft junger Menschen. Wer sie stärken will,
    muss jetzt die notwendigen politischen und finanziellen
    Voraussetzungen schaffen.

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